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Was sind "Interferone"?Im Jahre 1957 wurde von der Entdeckung einer Substanz berichtet, die von einem mit Viren befallenen Gewebe freigesetzt wurde und ihrerseits anderes Gewebe vor dem Virenbefall schützen konnte. Diese Substanz wurde von den Wissenschaftlern mit Interferon (IFN) bezeichnet. Die Voraussetzungen für eine intensive Erforschung und klinische Erprobung der Stoffgruppe wurden durch die gentechnologische Herstellung ausreichender Mengen seit den 80er Jahren geschaffen.Heute kennt man den chemischen Aufbau der verschiedenen Interferone, die in drei Gruppen unterteilt werden: Alpha-, Beta- und Gamma-Interferone. Diese unterscheiden sich sowohl durch ihren Aufbau als auch durch die Zellen, in denen sie gebildet werden. IFN-alpha wird von Leukozyten, IFN-beta von Bindegewebszellen (Fibroblasten) produziert. IFN-gamma wiederum unterscheidet sich in seinem Aufbau wesentlich von den beiden anderen Interferongruppen und wird von Zellen des lymphatischen Systems (T-Helfer-Zellen) gebildet. Welche Wirkungen haben Interferone beim Menschen?Ursprünglich waren nur die vor Viren schützenden Eigenschaften des Interferons bekannt. Heute weiß man, daß die verschiedenen Interferone innerhalb des Immunsystems vielfältige Wirkungen ausüben.So können sie bestimmte Abwehrzellen des Immunsystems wie Makrophagen, natürliche Killerzellen und zellzerstörende T-Lymphozyten aktivieren. Außerdem konnte nachgewiesen werden, daß Interferone das Wachstum und die Teilung sowohl von gesunden als auch bösartigen Zellen hemmen. Darüber hinaus verstärken sie das Auftreten von Zelloberflächenmarkern, die dem Immunsystem anzeigen können, daß die Zelle von einem Virus befallen wurde oder daß sie bösartig ist. Welche Erfahrungen gibt es mit Interferonen in der Krebstherapie?Die klinische Prüfung des Interferons in der Tumortherapie begann im größeren Umfang 1979 in den USA. Verwendet wurde ein nach den heutigen Maßstäben sehr unreines, noch nicht gentechnologisch gewonnenes IFN-alpha. Aufgrund der ermutigenden Erfahrungen und mit der Verfügbarkeit reiner, gentechnologisch erzeugter Interferone wurden weltweit zahlreiche weitere Studien durchgeführt.Die überzeugensten Behandlungsergebnisse mit IFN-alpha werden bei Erkrankungen des blutbildenden Systems erzielt. Bei der sehr seltenen Haarzell-Leukämie ist die langfristige Behandlung mit IFN-alpha Standard. Auch bei einer neudiagnostizierten chronischen myeloischen Leukämie gilt ein Therapieversuch mit Interferonen als etablierte Behandlungsform, wenn keine Knochenmarktransplantation (Blutstammzelltransplantation) in Frage kommt. Daneben wird IFN-alpha in bestimmten Krankheitsfällen auch beim multiplen Myelom und bei niedrigmalignen Non-Hodgkin-Lymphomen eingesetzt. Bei den soliden Tumoren werden Interferone beim malignen Melanom (Hautkrebs) und beim Nierenzellkarzinom verwendet, hauptsächlich in Kombination mit Chemotherapie und/oder Interleukin 2. Bei hormonbildenden Tumoren der Bauchspeicheldrüse und des Dünndarms zielt die Therapie vor allem auf Minderung der Beschwerden. Das im Rahmen von AIDS-Erkrankungen auftretende Kaposi-Sarkom der Haut kann mit hohen Dosen von IFN-alpha behandelt werden. IFN-beta wird in der Krebsbehandlung bei einer bestimmten Form von Nasen-Rachen-Tumoren eingesetzt. Welche Nebenwirkungen haben Interferone?Interferone sind durchaus nicht frei von Nebenwirkungen,obwohl es sich um körpereigene Substanzen handelt. Sie sind für alle drei Interferongruppen sehr ähnlich. Ihr Auftreten und der Ausprägungsgrad ist von der Dosis abhängig. Die Beschwerden können grippeartig sein, also z.B. Fieber, Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit, Übelkeit, gelegentlich auch Erbrechen. Eine Verminderung von Leukozyten und Blutplättchen kann vorkommen. Andererseits können Interferone bei langfristiger Gabe auch das Nervensystem beeinflussen, so daß sie psychische Veränderungen, z.B. Antriebslosigkeit, hervorrufen. Die Nebenwirkungen der Interferone waren bisher nicht dauerhaft, nach dem Absetzen der Medikamente verschwanden sie wieder.Wo liegen die Schwerpunkte der klinischen Forschung mit Interferonen?Die Ermittlung der Patientengruppen, die auf Interferongaben ansprechen, ist ein Hauptanliegen der klinischen Forschung. Auch die Optimierung der Interferondosierungen, Entwicklung neuer Konzepte zur Kombination mit anderen Therapiefomen und die Verminderung der Nebenwirkungen werden zur Zeit als vordringliche Aufgaben der Interferonforschung betrachtet. Intensiv geprüft werden Ansätze, bei denen Interferon in Kombination mit Zytostatika und anderen Zytokinen, insbesondere Interleukin 2, verwendet wird, sowie die Gabe von Interferonen als Erhaltungstherapie nach Tumorrückbildung durch Chemo- oder Strahlentherapie. |